Euthanasie - Sterbehilfe

  • Ein schwieriges Thema. Wenn jemand unheilbar krank ist und Schmerzen leidet, und sediert werden muss bis geht nicht mehr, ich würde das für mich nicht wollen. Im Zuge des Corona Dings habe ich auch hier gehört, dass sehr alte Menschen ohne viel Aussicht auch nicht mehr auf Biegen und Brechen beatmet werden, mit oder ohne Corona.

    Irgendwann stirbt man halt. Technisch ist sicher viel möglich, für mich wär das ein Albtraum, angeschlossen an irgendwelche Maschinen dahinzusiechen.

  • Zwischen Sterbehilfe und Sterbe-nach-Hilfe ist halt eine "Grauzone."

    Ich möchte aber nicht (nach) geholfen werden, sondern so wie ich kann in Würde und nach meinen Bedürfnissen und Tempo gehen. Lebensverlängernde Beatmung lehne ich in einem bestimmten Zustand, Prognose und Alter ebenso ab wie eine Sonde zur Ernährung.

    Das mit dem Sedieren bis geht nicht mehr, geht auch anders. Meine Mutter war auch in der "Endphase"(zu Hause). Zuerst bekam sie das Schmerzmittel 1x (Infusion)morgens die gesamte Dosis. Der Arzt hängte sie an und fuhr in seine Ordi. Sie war den ganzen Tag total benommen und weggetreten. Fiel der Spiegel, kamen die Schmerzen wieder...und der Arzt erst morgens.

    Auf meinen Vorschlag wurde die Dosis dann "nach Bedarf" aufgeteilt. Das war die letzten Wochen eine enorme Steigerung ihrer Lebensqualität...denn sie war "geistig" nun nicht so beeinträchtigt und doch schmerzfrei. Unsere Palliativkräfte unterstützen und begleiten hervorragend.

  • Ich bin nicht gegen selbstbestimmtes Sterben und auch nicht gegen Sterbehilfe.

    WENN der betroffene Mensch es selber will und einwilligt.

    Aber nicht, wenn Andere über meinen Kopf hinweg bestimmen können, ob mein Leben noch lebenswert ist oder nicht.

    Wenn Eltern bestimmen sollen, ob ihr Kind noch eine Weile leben soll oder eher doch nicht, das finde ich grenzwertig.

    Ich könnte mir vorstellen, daß Eltern z.B. von den behandelden Ärzten oder sogar der Familie dazu gedrängt werden könnten, die Einwilligung zu geben oder sogar die Euthanasie zu verlangen.

    Und was für eine gräßliche Vorstellung, daß Eltern einwilligen sollen, ihr Kind verhungern zu lassen.

    Gehts nocht?

    Ganz gefährlich finde ich es bei dementen oder schwerkranken alten Menschen.

    Viele, die geistig noch fit sind, sähen sich dazu verpflichtet, die Sterbehilfe zu verlangen, um ihrer Familie nicht zur Last zu fallen.

    Erben, die nicht länger warten wollen, wäre die bequeme Möglichkeit in die Hand gegeben, ihre dementen Angehörigen "zu erlösen".


    Wie gesagt, es sollte die Möglich geben freiwillig aus dem Leben zu scheiden, ohne sich vor den Zug werfen oder aufhängen zu müssen. Und zwar ohne Wenn und Aber, nur weil ich es will.

    Aber es ist ein großer Unterschied, ob ICH es entscheide, ober ob über mich entschieden WIRD.


    Leider respektieren die Ärzte in De ja noch nicht einmal eine Patientenverfügung. Egal was der Mensch dort festgelegt hat, SIE entscheiden, ob eine Sonde gelegt, ein Beatmungsgerät angeschlossen oder eine Wiederbelebung durchgeführt wird.

    Und hängt der Mensch erst einmal an den Maschinen, dann bleibt er da auch. Ganz egal was der Patient wollte oder nicht.

  • Ich kam schon mehrmals in die Situation entscheiden zu müssen.

    Meine Tochter (36) hatte vor 14 Jahren einen Autounfall mit Polytrauma incl. schwersten Kopfverletzungen. die Überlebensprognosen reichten jeweils etwa nur für die nächsten Stunden. Nach einem halben Jahr Intensivstation nahm ich sie ..mit der Diagnose Tetraplegie, Aphasie mit Apallischem Syndrom...Wachkoma... mit Trachealkanüle und Peg-Sonde auf eigene Verantwortung aus der Klinik nach Hause...weil sie die nächsten Tage nicht mehr überlebt hätte...und auch bereits für "andere Zwecke" vorgesehen war. Man gab mir - lt. Tel. Gespräch vom Klinik-Arzt mit Hausarzt , das blöderweise unbeabsichtigt mitgehört wurde- daheim nicht länger als 2 Tage bis wir sowieso wieder kommen müssten, weil es gar nicht anders geht. Sie war in einem erbärmlichen Zustand und keiner verstand es, dass ich sie ihnen nicht einfach zum Sterben (ihre Organe) freigab. ICH hatte IHR aber versprochen und freigestellt, dass sie DAHEIM bleiben kann und darf, solange SIE es wollte und jederzeit ihren Weg gehen darf . I ch suchte mir nach und nach ein passendes Therapeutenteam zusammen, was unter diesen Umständen etwas mühsam war...auch finanziell, weil die meisten nicht im Leistungskatalog der Kasse gelistet waren, bzw. keine Hausbesuche machten und begann mit der Reha.

    Nach 4 Jahren aufwärts, die nächste große Krise. Plötzlich Darmverschluss (als Folge von Verwachsungen nach Bauch OP bei Unfall) und bds. Pneumonie ..durch Aspiration des erbrochenen Darminhaltes...Der Internist und Chirurg verlangten binnen 2 Minuten eine Entscheidung von mir, ob sie operieren oder der Natur ihren freien Lauf lassen sollen, weil sie nach ihren Erfahrungen und ihrem höchst kritischen Zustand die OP sowieso nicht überleben wird. Ich wusste, dass die OP ihre einzige Chance war überhaupt zu überleben und entschied dafür, egal wie sie ausgeht. Ich sagte der Tochter, dass ich IHR die Entscheidung über ihr Weiterleben hier oder nicht, überlasse, egal was sie tut. War nicht leicht. Sie hat die OP erstaunlich gut überstanden aber ein KH Keim folgte und es gab wieder den Moment...sie war noch intubiert beatmet, als der Alarm auf der ITV anschlug und die Lebensgeister schwanden. Ich hielt ihre Hand und gab ihr wieder mal "innerlich den Freifahrtschein" . Es war auch noch eine Therapeutin von ihr zu Besuch, die mit ihr kommunizieren konnte (sie konnte ja und kann auch heute noch nicht sprechen)und die sie eine "Strecke am Weg hinüber" begleiten durfte. Der Arzt am Bettende schwafelte irgendwas, griff aber nicht mehr ein. Als sie ..lt. Therapeutin... sicher war, dass wir/ich sie auf ihrem Weg "ins Licht" nicht hinderten, kehrte sie um! Der Keim aber reagierte auf kein AB mehr, der Primar erklärte mir resigniert, dass er mit seinem Latein am Ende sei und nun nichts mehr für sie tun könnte. Er wollte aber noch eine Bronchoskopie machen ..es war Freitag...ich hatte kurz davor erstaunliche Erlebnisse mit der Wirkung des "blauen Wunderwassers" (Google: Kupfervitriol, das Wundheilpulver des Paracelsus)machen dürfen. Ich bat ihn, das zu probieren . er willigte ein, weil es kann ja nichts passieren, wenn man Sekret aus den Bronchien in ein "Marmeladeglas " gibt und das dann aufs Fensterbrett "zur Behandlung" des Keims in der Lunge stellt. Dann ging er in sein freies WE mit der "Sicherheit", dass er sie am Montag nicht mehr auf der ITV finden würde, wie er mir später gestand. Sie war noch da, konnte extubiert werden, am Mittwoch wurde sie auf die Normalstation verlegt, am Freitag gingen wir nach 7 Wochen! und 2 Pneumonien bds, heim und am Montag radelte sie auf ihrem "Motomed-Fahrrad" bereits die ersten Kilometer. Das war vor 9 Jahren!

  • Hildegard

    ich salutiere vor dir und deiner Tochter.

    Dein Bericht berührt mich sehr.

    Genau das meine ich. Jeder sollte selber entscheiden dürfen, ob er leben möchte oder nicht. Es darf vom Gesetzgeber nicht so geregelt werden, daß es erlaubt wird, daß Leben auf Antrag Angehöriger beendet werden können. Das öffnet dem Missbrauch Tor und Tür.

    Ich bin sicher, daß so mancher alte oder demente Mensch gehen musste, damit die Angehörigen an das Erbe kamen oder ihn los hatten.

    Beim heutigen Stand der Palliativmedizin muß kein Kind oder Erwachsener mehr unnötige Qualen erleiden. Es ist möglich, den Todkranken ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

  • Danke für eure Worte. Ich habe mit/durch die Situation meiner Tochter unendlich viel gelernt. Ich glaube nicht, dass ich bei einem "normalen Lebenslauf" ab 50 diese Chance bekommen hätte.

    Schwierigkeiten und Felsen am Weg gab es gewiss reichlich, heute denke ich mir oft, dass ich irgendwie "ferngesteuert " wurde. Speziell in den 6 Monaten im KH und anschließend daheim. Da wurde mir wirklich "nichts erspart" und manchmal hab ich bereut, ..meist bei Arzt/Behördenkontakten...dass ich mit 18 die Jagdprüfung NICHT gemacht habe,...dann aber auch doch nicht, weil ich sonst jetzt womöglich in "Permanent-Quarantäne" säße.;)

    Es war mir von Beginn an sonnenklar, dass ich auf schnellstem Weg so weit als möglich autark werden muss, damit ich bei keiner Entscheidung > Ernährung, Medikation, Therapien, Team, Arztwahl, Pflege..etc. an irgend eine Institution "gebunden" bin und ich ALLEIN imstande sein muss, sie einen ganzen Tag auch zu betreuen, wenn keine weiteren "hilfreichen Hände" in der Nähe sind. Dass das monatelang wirklich nur mit durchgehendem 24-h/7 Tage Dienst einherging..max 3 h Schlaf im "Stand-by-modus", und dem Damoklesschwert der "Eigenverantwortung" über dem Kopf... beim kleinsten Fehler hätten sie mir die Sachwalterschaft gerichtlich entzogen...wurde ja - vergeblich - versucht. Dieser Druck ist jetzt weg, denn nach 14 Jahren relativ erfolgreicher Rehabilitation...ich hab´s von damals schriftlich, dass das was bis jetzt erreicht wurde gar nicht möglich ist, und schon überhaupt nicht ohne stationäre Reha,..brauch ich niemandem mehr etwas beweisen oder mich rechtzufertigen.

    Daneben lief ja auch noch Haushalt und Garten, Sondenkostvorratsküche (ich hab vom ersten Tag an die konventionellen kassenfinanzierten "Nestle-Flaschen" abgesetzt, denn die vertrug sie...wie viele andere auch.. gar nicht und auf Eigenproduktion und feinst pürierte Frischkost (Vitamix) mit Wild-und anderen Kräutern und Gewächsen aus dem eigenen Garten gesetzt.

    Jetzt bin ich froh, dass ich die Angebote für außerhäusliche Pflege und Betreuung NICHT in Anspruch nahm, denn wir könnten sie jetzt nicht mal besuchen...sofern sie überhaupt noch am Leben wäre, was ich in ihrem Fall stark bezweifle.

    Sie freut sich jedenfalls sehr, wenn ihre kleinen Nichten /Neffen kommen ..sie ist ja auch Patin...und ganz unbefangen mit ihr umgehen, auch wenn sie es nicht "zeigen" kann. Die Kommunikation läuft auf einer anderen Ebene, aber sie LÄUFT!;)

  • Das Staatsfernsehen stimmt die Bürger schon mal auf die Zukunft ein:


    https://www.tichyseinblick.de/…leben-leiden-oder-suizid/


    Es sind sehr interessante Kommentare dabei.


    Quote

    Gruenauerin


    Das ist ein Thema, was man sehr kontrovers diskutieren kann. Wenn ein Mensch nur noch aus Leiden besteht, Schmerzen hat und sein Leben gelebt hat, sollte man ihm die Gnade erweisen können, die man Haustieren zukommen lässt. Das ist die eine Seite, die ich voll befürworte. Ich lasse mal Religion vor der Tür. Die andere Seite ist, dass Menschen genötigt werden könnten, weil sie zu „unnützen Fressern“ gemacht werden, den Freitod zu wählen. Diese Seite ist eine große Gefahr. Wer kann schon heute einschätzen, wie unser Land in 10, 15 oder 20 Jahren aussehen wird. Hat jemand daran geglaubt, dass die DDR so schnell fällt? Hat jemand daran geglaubt, dass nur 30 Jahre nach der sozialistischen Diktatur, die Meinungsfreiheit wieder eingeengt wird? Wurde nicht schon von Erschießen der Reichen oder zumindest Arbeitslager gesprochen? Wer hätte noch vor ein paar Jahren daran gedacht, dass Menschen wieder zu Nazis gemacht werden, dafür zusammengeschlagen werden, deren Eigentum geschändet wird? Oder wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass man seine Meinung nur sehr begrenzt äußern sollte, weil sonst eine wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung erfolgen könnte? Ich denke, dass keiner daran gedacht hat. Und sage mir niemand, dass es nicht soweit kommen könnte, Menschen dazu zu bringen, sich umzubringen, aus irgendwelchen Gründen, die dann sicherlich noch so verbrämt werden, dass sie nur zum Wohle der Menschheit wären. Wir werden doch heute schon zum Wohle aller eingesperrt, dürfen nicht mehr in Gaststätten, in Theater usw. usf. Die Zivilisationsschicht ist schon sehr dünn geworden. Wer sagt uns, dass sie nicht völlig verschwinden wird?

    Diese Zuschrift bringt es auf den Punkt.